Mit dem Einzug in das neue ZAL TechCenter schließt die Hamburger Luftfahrtindustrie bei Forschung und Entwicklung endgültig zur Weltspitze auf. Im weltweit modernsten Forschungszentrum für die zivile Luftfahrt werden Großunternehmen wie Airbus und Lufthansa Technik, Zulieferer wie Diehl, Hochschulen und Institutionen wie das DLR die Infrastrukturen gemeinsam nutzen, um Innovationen durch gezielte Kooperation schneller zur Marktreife zu führen.

Das ZAL wird sich auf sechs Forschungsschwerpunkte, "Technical Domains" genannt, konzentrieren - darunter Kabinen, 3D-Druck, Industrie 4.0, Akustik und Virtual Reality. Das Forschungszentrum, dessen Gesamtinvestition sich auf knapp 100 Millionen Euro beläuft, bietet 600 Arbeitsplätze auf 26.000 Quadratmetern Fläche. Offiziell wird das Gebäude am 7. März von Hamburgs Erstem Bürgermeister Olaf Scholz und zahlreichen weiteren Ehrengästen eröffnet.

"Um dieses Aushängeschild für den Luftfahrtstandort werden uns viele Wettbewerber weltweit beneiden", betonte Hamburgs Senator für Wirtschaft, Verkehr und Innovation, Frank Horch, im Rahmen des Luftfahrt-Presse-Clubs am Montag. Dort stellten auch führende Vertreter der Standortgrößen Airbus, Lufthansa Technik und Diehl Aerosystems vor, wie sie das neue Forschungszentrum im Hein-Saß-Weg in Finkenwerder künftig nutzen werden. Statt auf Grundlagenforschung wird sich die Arbeit im ZAL vor allem auf die nachfolgenden Entwicklungsschritte konzentrieren: innovative Produkte und Konzepte sollen deutlich schneller und kostengünstiger zum Einsatz in der internationalen Luftfahrt geführt werden. Erreicht wird dies einerseits durch die frühzeitige Einbindung von Partnern wie Hochschulen oder Zulieferern, andererseits durch die im ZAL verfügbaren Infrastrukturen, die zur Weltspitze der zivilen Luftfahrtforschung zählen.

Die Luftfahrtforschung im ZAL wird sich auf sechs Schwerpunkte - "Technical Domains" (TD) genannt - konzentrieren, welche die Kernkompetenzen des Standorts Hamburg widerspiegeln.

Zentrales Element der TD1 ist das Fuel Cell Lab, ein Forschungslabor für zivile und sichere Nutzungsmöglichkeiten von Wasserstoff, sowohl in der Luftfahrt als auch in anderen Verkehrssegmenten wie dem öffentlichen Nahverkehr oder dem Automobilbereich. In der Luftfahrt könnte z.B. die mit Kerosin betriebene Hilfsgasturbine (Auxillary Power Unit), die am Boden für die Energieversorgung des Flugzeugs verantwortlich ist, durch eine Brennstoffzelle ersetzt werden. Diese wäre nicht nur komplett emissionsfrei, sie könnte auch während des Fluges weiter betrieben werden um etwa die Bordküchen oder das Entertainment-System mit Energie zu versorgen. Eine weitere Treibstoffersparnis wäre die Folge.

Die TD2, Cabin Innovation & Technology, befasst sich mit einem der Hamburger Luftfahrtschwerpunkte: Flugzeugkabinen. Kernelement dieses Forschungsbereich ist das 20 Meter breite und 11 Meter hohe Cabin & Cargo Test Rig - ein Teststand, in dem alle weltweit gängigen Rumpfquerschnitte von Flugzeugen installiert werden können, um dort beispielsweise die Neuanordnung von Kabinenelementen oder effizientere Boarding- und Beladungsmethoden zu erproben.

Die TD3, Air & Power Systems, befasst sich mit der Weiterentwicklung von Stromversorgungs- und Klimaanlagensystemen in der Kabine. Konkret können die Versuchsaufbauten im ZAL TechCenter unter anderem dafür genutzt werden, elektronisch betriebene Klimasysteme zu erproben, die höheren Passagierkomfort bei gleichzeitig verringertem Energiebedarf ermöglichen.

Industrieller Fokus liegt auf der TD4, Aerospace Production & Fuselage Engineering. Hinter dem sperrigen Namen verbergen sich Forschungsprogramme, die sich mit der Zukunft von Fertigungsmethoden befassen - wie z.B. das auch als "3D-Druck" bekanntgewordene ALM-Verfahren (Additive Layer Manufacturing), oder unter dem Schlagwort "Industrie 4.0" laufende neue Automatisierungsverfahren. Für die Hamburger Luftfahrt sind diese Themen gleich aus zwei Gründen hoch relevant: Zum einen können durch die 3D-Drucktechnologie Bauteile nach bionischen Kriterien - also durch "Abschauen" von in der Natur vorkommenden Strukturen - neu und um bis zu 60 Prozent leichter konstruiert werden, wodurch das Flugzeug deutlich weniger Treibstoff verbraucht. Zum anderen erfreut die Luftfahrtindustrie stabilen Wachstums. So ist bei Airbus Produktion ist trotz Ausweitung der Fertigungskapazitäten bereits für die nächsten 10 Jahre ausgelastet, insbesondere beim mehrheitlich in Hamburg gefertigten "Bestseller" A320-Familie. Dabei werden große Teile des Flugzeugs, anders als z.B. im Automobilbereich, in Handarbeit zusammengebaut. Effizientere Produktionsmethoden könnten hier für einen deutlichen Produktivitätsgewinn sorgen und mehr Kapazitäten für neue Aufträge schaffen.

Kernelement der TD5, Testing & Safety, ist das Acoustics Lab. In diese Akustikkammer, die zu den größten Europas zählt, passen ein komplettes Rumpfstück eines Airbus A320 oder ein Linienbus. Das Acoustics Lab erlaubt es, künftig Forschungen zu Lärm und Vibrationen, beispielsweise im Flugzeugkabinenbereich, am Boden zu betreiben. Bislang fanden solche Tests allem in der Luft statt.

Die TD6, General Processes & Support Topics, wird sich im ZAL TechCenter auf das Thema Virtual Reality konzentrieren. Dazu wurde im Forschungszentrum die mit 6 x 3,5 Metern größte VR-taugliche Bildscheibe in der nördlichen Hälfte Deutschlands installiert. Der dazu gehörige Raum fast etwa 30 Personen und soll langfristig nicht nur für Simulationen von Projekten aus der Luftfahrt zur Verfügung stehen, sondern auch anderen regional verankerten Branchen wie der Gaming-Industrie.

Mit knapp 100 Millionen Euro Projektvolumen (Gebäude mit Testinfrastrukturen) gehört das neue ZAL TechCenter in Hamburg-Finkenwerder zu den größten Luftfahrt-Forschungszentren der Welt. Nach Einzug aller Mieter werden dort etwa 600 Menschen auf einer Fläche von knapp 26.000 Quadratmetern arbeiten. Durch das ZAL entstehen zahlreiche neue hochqualifizierte Jobs am Luftfahrtstandort Hamburg: so baut z.B. Diehl, Hamburgs drittgrößter Arbeitgeber in der Luftfahrtindustrie, im ZAL TechCenter ein komplett neues Forschungs- und Entwicklungsteam auf. Unternehmen wie Airbus und Lufthansa Technik verlegen einige ihrer Innovationsabteilungen vollständig in das neue Gebäude. Auch als Veranstaltungsort soll das Forschungszentrum künftig genutzt werden: Dafür stehen neben einem Auditorium für 200 Personen 12 Konferenzräume, ein frei zugänglicher Innovationsmarktplatz und ein großes Betriebsrestaurant zur Verfügung.

Offiziell eröffnet wird das ZAL TechCenter am 7. März 2016 im Beisein von zahlreichen Ehrengästen, darunter Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz, Brigitte Zypries, Staatssekretärin für Luft- und Raumfahrt im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi), Dr. Klaus Richter, Einkaufsvorstand der Airbus Group und Vorsitzender der Geschäftsführung von Airbus in Deutschland, sowie Dr. Johannes Bussmann, Vorstandsvorsitzender von Lufthansa Technik. Am 12. März wird es zusätzlich einen Tag der Offenen Tür für die Bevölkerung geben.

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