Wann erobern Taxis die Lüfte? Lukas Kaestner vom Hamburg Aviation Cluster lässt den Hamburger Auftritt auf der South by Revue passieren.

Die SXSW (South by Southwest) gilt als weltweit führende Konferenz für Trends aus Technologie, Gesellschaft und Politik. Besonders im Vordergrund stand in diesem Jahr der Bereich Mobilität – nicht nur im offiziellen Programm, sondern auch auf Hamburger Seite. Mit einer Panel-Diskussion zu „Flying Taxis and Ambulance Drones – Sci-Fi 2 Reality“ schafften es ZAL Zentrum für Angewandte Luftfahrtforschung und Cluster Hamburg Aviation sogar ins offizielle Programm der SXSW 2019.

Wie viel Substanz steckt hinter Hype-Thema?

Dabei ging es vor allem um die Frage, wie viel Substanz hinter dem Hype-Thema Urban Air Mobility steckt und was geschehen muss, damit sich für Lufttaxis und Drohnen-Services auch in Metropolregionen wie Hamburg langfristig ein Markt ergeben kann. Zu den Panelisten zählten u.a. das Münchner Lufttaxi-Startup Lilium, das mit über 100 Mio. Euro Venturekapital (u.a. von „DHDL“-Juror Frank Thelen, Skype-Gründer Niklas Zennström und dem chinesischen Tech-Konzern Tencent) zu den weltweit prominentesten Vertretern im Bereich Urban Air Mobility gehört. Neben der Diskussion von technischen Umsetzungswegen, etwa bei der Antriebsform, wurden insbesondere die Rollen von Behörden und Öffentlichkeit betont: Nur wenn die neue Technologie auch einer breiten Bevölkerungsschicht zugutekommt, hat Urban Air Mobility überhaupt eine Chance – so das einhellige Credo der Experten. Kritische Themen sind neben Lärmemissionen und möglichen Bodeninfrastrukturen auch die Integration von neuen Transportmitteln in das bestehende Luftverkehrssystem, wo sich bereits heute Verkehrsflugzeuge, Polizei- und Rettungshubschrauber den Himmel teilen.

ITS-Weltkongress 2021 in Hamburg  

Das Hamburger SXSW-Panel war gleich aus zwei Gründen für den Wirtschaftsstandort spannend: Zum Einen zählt Hamburg zu den offiziellen Partnerstädten der europäischen Urban Air Mobility Initiative, die in den kommenden Jahren gemeinsam Erfahrungen und Wissen rund um mögliche zivile Anwendungen der neuen Technologie sammeln möchten. Etwa mit dem eiligen Transport von Gewebeproben per Drohne zwischen Krankenhäusern und Laboren, oder dem Abfliegen von Deichen im Rahmen des Hochwasserschutzes. Zum anderen wird Hamburg 2021 Austragungsort des ITS Weltkongresses sein (Intelligent Transport Systems), auf dem Urban Air Mobility ebenfalls eine zentrale Rolle einnehmen soll. Auch das Hamburger ITS-Büro war dementsprechend Teil der Delegation.

Zukunftsvision Lufttaxis  

Die Vorstellung, zukünftig einmal leise, umweltschonend und zum Taxipreis die Staus in Metropolregionen zu überfliegen, beflügelt die Fantasien auch der internationalen SXSW-Teilnehmer. Gleich mehrere Panels zu Urban Air Mobility fanden sich im offiziellen Programm, darunter von namhaften Vertretern wie Bell, Embraer X, dem US-amerikanischen Verkehrsministerium oder der Verkehrsbehörde von Los Angeles. Doch selbst im Land der unbegrenzten Möglichkeiten wird nur mit Wasser gekocht: auch im hippen Texas werden Lufttaxis in den nächsten 2-3 Jahren noch Zukunftsmusik bleiben.

Trend-Technologie E-Scooter auf der SXSW

Ganz im Gegensatz zu einer anderen Mobilitätsform, die das Straßenbild der SXSW bereits in diesem Jahr geprägt hat wie kaum ein anderer Trend: die Ära der eScooter ist - zumindest in den USA – endgültig eingeleitet worden. Zu Tausenden bevölkern die Akku-verstärkten Tretroller die Straßen der texanischen Hauptstadt, gleich mehrere Anbieter buhlten um die Gunst der Kunden, darunter die populären Rideshare-Apps wie Uber und Lyft. Die Anmiete ist denkbar einfach, die Apps vergleichbar mit denen von Car2Go oder DriveNow. EScooter und Pedelecs können per App in den Straßen geortet und freigeschaltet werden, abgerechnet wird zum Minutenpreis von 15 Cent. Völlig ohne Tücken ist die neue Trend-Technologie noch nicht: Nur die wenigsten Nutzer leisten der Helm-Empfehlung der Anbieter Folge, Scooter-Unfälle mit Schürfwunden oder gar schlimmeren Verletzungen zählten auf der SXSW 2019 ebenfalls zur Tagesordnung.

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